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31. Aug 2026

.NET Day Switzerland 2026

Der Treffpunkt für Entwicklerinnen, Entwickler und Softwarearchitekten, die sich über aktuelle Entwicklungen rund um .NET und Software Engineering austauschen möchten. Wir haben unsere Highlights zusammengefasst.

Am 25. August 2026 brachte der .NET Day Switzerland die Schweizer .NET-Community erneut für einen Tag voller Vorträge und Gespräche zusammen. Das Programm reichte von Architektur, Security und Performance über Modernisierung bis zu Produktivität und Kommunikation im Entwickleralltag. Besonders präsent war dieses Jahr das Thema KI. Dabei ging es weniger um die Theorie, sondern um die konkrete Frage, wie Agenten unsere Arbeit bereits heute verändern.

Auch dieses Jahr waren mehrere Entwickler von Cudos vor Ort. Um möglichst viele Eindrücke mitzunehmen, besuchten sie unterschiedliche Sessions und tauschten sich mit anderen Teilnehmenden aus. Ihre persönlichen Highlights und wichtigsten Erkenntnisse haben sie im Folgenden zusammengefasst.

besuchten sie verschiedene Sessions. Stefan und Matthias haben ihre persönlichen Highlights für euch zusammengestellt.

Nicos Highlights

Dieses Jahr durfte ich zum ersten Mal am .NET Day Switzerland teilnehmen. Es war gleichzeitig mein erster Besuch an einer Fachkonferenz überhaupt, entsprechend gespannt war ich auf die Vorträge und den Austausch mit anderen Entwicklerinnen und Entwicklern. Hier sind meine zwei persönlichen Highlights zusammengefasst.

IDEs in the Age of AI

Leslie Richardson, Senior Product Manager im .NET/C# Team bei Microsoft, ging in ihrer Keynote der Frage nach, welche Rolle Entwicklungsumgebungen noch spielen, wenn KI immer grössere Teile unseres Codes schreibt. Die kurze Antwort: Nein, IDEs sind nicht tot. Sie müssen sich aber weiterentwickeln.

Viele alltägliche Aufgaben lassen sich mit klassischen IDE-Funktionen weiterhin schneller und gezielter lösen als mit einem Prompt. IntelliSense zeigt z.B. direkt, welche APIs und Optionen zur Verfügung stehen. CodeLens liefert zusätzlichen Kontext zum Code und Hot Reload erlaubt es, Änderungen an einer Oberfläche unmittelbar auszuprobieren. Natürlich könnte man dafür jedes Mal Copilot fragen. Es ist aber wenig sinnvoll, mehrere Sätze zu schreiben und Tokens zu verbrauchen, wenn ein Dropdown dieselbe Frage in einer Sekunde beantwortet.

Durch ihre Arbeit im .NET Developer Tools Team konnte Richardson zusätzlich einen Einblick in neue und kommende Copilot-Funktionen für Visual Studio geben. Diese zeigen, wie IDEs ihre bestehenden Werkzeuge mit KI verbinden und dadurch auch in Zukunft einen Mehrwert gegenüber reinen Chat- oder CLI-Lösungen bieten können:

  • Debugger Agent
    Greift direkt auf die Debugging-Werkzeuge der IDE zu und untersucht Breakpoints, Variablen und den aktuellen Programmzustand. Dadurch muss Copilot die Ursache eines Fehlers nicht nur anhand des Codes erraten. Bei Bedarf stellt der Agent Rückfragen und bindet den Entwickler in den Debugging-Prozess ein.
  • Profiler Agent
    Nutzt Diagnoseinformationen wie die CPU-Auslastung, stellt die Ergebnisse grafisch dar und schlägt konkrete Optimierungen vor. Die Empfehlungen basieren damit auf Messwerten und nicht nur auf einer Interpretation des Quellcodes.
  • `launch-vs`
    Mit diesem noch unveröffentlichten Copilot-CLI-Befehl lässt sich in Zukunft eine laufende Session nach Visual Studio übertragen und dort mit dem bestehenden Kontext fortsetzen. Die Session bleibt mit der CLI verbunden, sodass die Konversation in beiden Ansichten sichtbar ist.

Für mich war die zentrale Aussage des Vortrags schlüssig: Je mehr Code von KI erzeugt wird, desto wichtiger werden Werkzeuge, mit denen wir die Arbeit der KI nachvollziehen, evaluieren und gezielt steuern können. Die IDE der Zukunft ist damit weniger eine bessere Textverarbeitung und mehr die Schnittstelle zwischen Entwicklern, KI-Agenten, Quellcode und Laufzeitsystem.

I’m a Software Engineer at Microsoft. I Don’t Write Code.

Gerald Versluis ist Software Engineer bei Microsoft und vor allem für seine Arbeit mit Xamarin und .NET MAUI bekannt. In seinem Vortrag erzählte er, warum er nach eigener Aussage Visual Studio seit November nicht mehr geöffnet hat. Die bewusst provokante Aussage führte zu seiner eigentlichen Botschaft: Software Engineering war nie nur das Schreiben von Code.

Was ich aus dem Vortrag vor allem mitgenommen habe: Gute Arbeit mit Agents beginnt nicht beim perfekten Prompt. Entscheidend ist, das Wissen über ein Projekt so festzuhalten, dass ein Agent zuverlässig damit arbeiten kann. Versluis zeigte dies anhand von Instructions im `.github`-Verzeichnis. Darin können Architekturentscheide, Coding Guidelines und projektspezifische Abläufe dokumentiert werden.

Diese Grundlage entsteht nicht an einem Nachmittag. Sie wird laufend angepasst, wenn ein Agent etwas falsch versteht oder ein Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. Mit jeder Verbesserung wird die Zusammenarbeit etwas zuverlässiger. Dadurch sinkt der Tokenverbrauch, während die Qualität der Pull Requests steigt. Vor allem entsteht so auch schrittweise das nötige Vertrauen, um Agents grössere Aufgaben zu überlassen.

In dieselbe Richtung ging sein Hinweis auf wiederverwendbare Skills. Wiederkehrende Aufgaben sollten nicht jedes Mal neu beschrieben, sondern als klar definierte Abläufe festgehalten werden. MCP-Server und mehrere parallel arbeitende Agents erweitern diese Idee: Der Software Engineer schreibt weniger selbst und koordiniert stattdessen Aufgaben, Kontext und Werkzeuge.

Als Beispiel dafür, wie stark sich Aufgaben im Entwicklungsprozess durch Agents automatisieren lassen, stellte Versluis agentic-engineers.net und mit PolyPilot eine konkrete Umsetzung dieses Ansatzes vor. Dabei können mehrere Agents parallel unterschiedliche Aufgaben bearbeiten. Er wies jedoch auch offen darauf hin, dass ihm von Microsoft ein sehr grosses Token-Budget zur Verfügung steht und sich diese Arbeitsweise nicht automatisch für jedes Projekt eignet. Spätestens mit einem harten Kostenlimit sieht der parallele Einsatz mehrerer Agents schnell weniger attraktiv aus.

Passend fand ich seine abschliessende Beschreibung von KI im momentanen Zustand als «überkoffeinierten Junior, der mit voller Überzeugung behauptet und lügt». Mehr Geschwindigkeit bedeutet nicht automatisch mehr Qualität. Wir müssen die richtigen Leitplanken setzen, Ergebnisse prüfen und den Code weiterhin verstehen. Oder kurz: Wir müssen zwar nicht mehr jede Zeile selbst tippen, bleiben aber für jede davon verantwortlich.

Persönliches Fazit

Erst rückblickend fiel mir auf, dass alle bis auf einen meiner gewählten Vorträge den Umgang mit KI und ihre Bedeutung für die Softwareentwicklung behandelten. Dass sich so viele der Vorträge mit diesem Thema beschäftigen, zeigt, wie aktuell es momentan ist. Unser Beruf hat sich in den letzten Jahren bereits stark verändert und wird sich vermutlich weiter wandeln. Das ist nicht nur negativ, wichtig ist aber, KI sinnvoll in die tägliche Arbeit zu integrieren und mit den richtigen Werkzeugen die Kontrolle und Übersicht zu behalten. Denn auch wenn wir nicht mehr jede Zeile selbst schreiben, bleiben wir weiterhin für den Code verantwortlich.

Simeï's Highlights 

Der .NET Day Switzerland 2026 war mein fünfter in Folge – und der erste als Speaker. Denn dieses Mal war ich nicht nur im Publikum, sondern selbst vorne auf der Bühne. Mein Highlight ist deshalb dieses Jahr mein eigener Vortrag.

Breaking the Wall: Multi-Realm Keycloak OIDC Integration in ASP.NET Core

Inhaltlich ging es um ein Problem aus einem unserer Kundenprojekte: eine Multi-Tenant-Plattform mit ASP.NET Core und einem eigenen Keycloak-Realm pro Mandant, wobei die Realms erst zur Laufzeit entstehen. `AddOpenIdConnect` funktioniert in diesem Setup genau für einen Mandanten, weil ASP.NET Core die Options pro Scheme cacht – ich habe gezeigt, wie man diesen Cache stattdessen pro Realm aufbaut und damit jeder Mandant seine eigene Authority, Keys, Secrets und Cookies bekommt.

Viel spannender war für mich aber die Erfahrung selbst. Vorne im Kinosaal zu stehen, die eigene Stimme aus den Lautsprechern hinten zu hören und daneben eine riesige Leinwand zu haben, ist stark ungewohnt – mein Respekt an alle Speaker ist nach diesem Jahr deutlich grösser. Sehr spannend war auch, nach dem Vortrag mit Zuhörern über den Vortrag und das Thema ins Gespräch zu kommen.

Persönliches Fazit

Es war spannend, den .NET Day einmal von der anderen Seite zu erleben. Wer weiss – vielleicht bin ich nächstes Jahr ja wieder als Speaker anzutreffen.

Samirs’ Highlights

Auch für mich war der .NET Day Switzerland dieses Jahr eine Premiere. Die Vielfalt der Themen und besonders auch der rege Austausch mit anderen Entwicklerinnen und Entwicklern hat mich sehr bereichert. Im Folgenden habe ich mein persönliches Highlight aus den besuchten Sessions sowie meine Eindrücke zusammengefasst.

Mis-Estimating – why estimating effort does not work

Der Vortrag von Urs Enzler, Software Architect bei der Calitime AG, widmete sich einem Problem, das wohl jeder in unserer Branche bestens kennt: Warum Aufwandschätzungen in der Softwareentwicklung einfach nicht funktionieren, selbst wenn man noch so viel Zeit und Mühe in sie investiert.

Enzler präsentierte eindrücklich elf Gründe, die unsere Schätzungen regelmässig torpedieren. Ein zentrales Konzept dabei waren die versteckten Integrationskosten (Hidden Integration Cost). Die einfache Formel «A + B» geht hier nicht auf; die Integration mehrerer Komponenten kostet immer mehr Zeit als die Summe der Einzelentwicklungen. Dies führt in der Softwareentwicklung zu einer sogenannten «Diseconomy of Scale»: Anders als im Supermarkt, wo grössere Mengen zu Rabatten führen, wachsen Aufwand sowie Kommunikations- und Wissensmanagement-Overhead mit der Codebasis und Teamgrösse überproportional. Ab einem gewissen Komplexitätsgrad können zusätzliche Entwickler ein Projekt dadurch sogar verzögern, anstatt es zu beschleunigen.

Zusätzlich erschweren ständige Kontextwechsel (fehlender Flow), unvorhersehbare Blocker und das sogenannte «Overutilization»-Phänomen die Planung: Wenn die Auslastung eines Teams nahe an der Sättigungsgrenze ist, sinkt die Produktivität drastisch. Auch Qualitätsmerkmale wie Usability lassen sich vorab kaum seriös schätzen, da sie auf echtem Nutzerfeedback basieren. Hier hilft letztlich nur der iterative Kreislauf: Build, Run, Monitor, Optimize. Zusammenfassend betonte Enzler, dass Schätzungen zwar eine gute Untergrenze bilden, aber nicht als Obergrenze taugen. Sie sind nützlich für die Priorisierung von Aufgaben, aber problematisch bei starren Kundenverträgen.

Für mich war es sehr aufschlussreich, dieses allgegenwärtige Thema einmal so strukturiert aufbereitet zu sehen. Es bestätigt meine eigene Erfahrung aus der Praxis: Schätzungen sind fast immer falsch. Besonders überzeugt hat mich der Ansatz des Speakers, Aufgaben eher in Grössenordnungen zu klassifizieren (Minuten / Stunden / Tage / Wochen / Monate), anstatt sie exakt quantifizieren zu wollen. Ob etwas 2 oder 10 Tage dauert, ist oft weniger relevant als die grundlegende Grössenordnung. Auch wenn sich bei direkten Kundenofferten genaue Zahlen kaum ganz vermeiden lassen, werde ich versuchen, diese Denkweise künftig stärker in meinen Projektalltag zu integrieren.

Persönliches Fazit

Mein Fazit fällt durchweg positiv aus. Neben den exzellenten Vorträgen und den vielen interessanten Unterhaltungen am Rande war (wie zu erwarten) das Thema KI enorm präsent. Es war spannend zu hören, wie andere Entwickler und Unternehmen mit diesem Wandel umgehen. Für mich hat sich einmal mehr gezeigt, wie wertvoll solche Konferenzen für die eigene Perspektive sind. Man stösst unweigerlich auf Themen und Fragestellungen, von denen man gar nicht wusste, dass man sich noch keine Gedanken darüber gemacht hat. Ich würde mich sehr freuen, auch nächstes Jahr wieder teilnehmen zu können!

Hier findest du den Bericht vom letztjährigen Event.


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