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23. Jun 2026
Beim CRA-Praxiszirkel referierte Benjamin Fabricius über automatisierte OT-Schwachstellenanalyse. Sein Fazit: Manuelle Prüfungen skalieren nicht, doch für den Erfolg gilt immer „Organisation vor Automatisierung“.
Das zweite von vier diesjährigen Treffen des Praxiszirkels CRA von Next Industries / Swissmem hat stattgefunden. Wir waren dieses Mal bei Deloitte zu Gast und mit insgesamt 60 Teilnehmenden. Das Hauptthema des Zirkels war „Schwachstellenmanagement und Meldepflicht“ im Kontext des Cyber Resilience Act (CRA). Dazu gab es sehr interessante Beiträge aus dem juristischen Umfeld sowie direkt aus der Praxis. Die Redner kamen von United Machining Solutions, Beckhoff, Wicki & Partner, Deloitte und BBV.
Auch ich, Benjamin Fabricius , durfte einen Beitrag leisten und habe gemeinsam mit Sascha Huber von Weytec einen Vortrag zum Thema „Automatisierung des Schwachstellenmanagements im OT-Umfeld“ gehalten. Was wir dort besprochen haben und warum das Thema die Industrie gerade so intensiv bewegt, möchte ich hier mit euch teilen.
Der regulatorische und betriebliche Druck auf kritische Infrastrukturen und Industrieunternehmen wächst kontinuierlich. Ein zentraler Knackpunkt im Operational Technology (OT)-Umfeld ist dabei die lückenlose Dokumentation und der verlässliche Nachweis von Sicherheitsmassnahmen.
Dieser Aufwand wird in der Praxis oft drastisch unterschätzt und erfordert tiefgehendes Spezialwissen. Es entsteht eine gefährliche Lücke zwischen dem theoretisch geforderten Aufwand und der realistisch erbringbaren Leistung von IT- und OT-Teams.
Gemeinsam mit Sascha Huber von der Schweizer Weytec AG habe ich diese Herausforderungen genauer beleuchtet. Das Schweizer Industriebeispiel zeigt deutlich, welche extremen Anforderungen an die Verfügbarkeit von Systemen in der Produktion gelten. In diesem Umfeld sind Offline-Tauglichkeit sowie die Durchführung von Factory Acceptance Tests (FAT) und Site Acceptance Tests (SAT) – also die Werks- und Endabnahmen von Anlagen – von zentraler Bedeutung. Manuelle Verfahren zur Prüfung von Schwachstellen skalieren hier schlichtweg nicht mehr. Die Lage ist branchenweit ähnlich kritisch.
OT-Landschaften lassen sich nicht mit klassischen IT-Umgebungen vergleichen. Sie sind geprägt durch ganz eigene Rahmenbedingungen:
Wer hier weiterhin auf rein manuelle Verfahren setzt, agiert teuer, langsam und fehleranfällig. Der zeitliche und personelle Aufwand ist immens. Je mehr manuelle Prüfungen durchgeführt werden, desto höher ist die Fehlerquote , wodurch die Sicherheitsdokumentation schnell inkonsistent wird. Eine Skalierung ist kaum möglich , während bestehende Wissenslücken das Problem zusätzlich verschärfen.
Klassische Enterprise-Plattformen aus der IT-Welt greifen in der Produktion oft zu kurz oder passen nicht zu den Gegebenheiten vor Ort:
In unserem Vortrag haben wir die strategischen Automatisierungsansätze in fünf Kernkategorien unterteilt:
Ansatz A (Benchmark-Prüfung): Hierbei wird die Systemkonfiguration gezielt gegen anerkannte Branchen-Benchmarks (wie beispielsweise CIS) geprüft. Das liefert strukturierte, exakt reproduzierbare Prüfprotokolle und eignet sich hervorragend für den Offline-Betrieb in der OT. Ein vollständiges Bild aller Softwareschwachstellen liefert dieser Ansatz allein jedoch nicht.
Ansatz B (Inventarisierung & SBOM): Eine Software Bill of Materials (SBOM) schafft als digitale Zutatenliste vollständige Transparenz über alle verbauten Softwarekomponenten. Die Inventarisierung läuft automatisiert, und etablierte Standardformate erleichtern die Weiterverarbeitung. Gerade im Zuge neuer regulatorischer Vorgaben steigt der Nutzen von SBOMs massiv an. Das Risiko selbst wird dadurch jedoch noch nicht bewertet.
Ansatz C (Schwachstellenbewertung): Bringt man die SBOM mit aktuellen Schwachstellendatenbanken zusammen, erhält man ein präzises Bild der bekannten Sicherheitslücken (CVEs) auf System- und Softwareebene. Dank lokaler Datenhaltung funktioniert das auch komplett offline. Wichtig bleibt: Die finale Priorisierung der Risiken muss weiterhin manuell gesteuert werden.
Bei der Umsetzung von automatisiertem Schwachstellenmanagement in Industrieunternehmen stossen Teams regelmässig auf organisatorische und technische Barrieren:
Das primäre Problem im OT-Schwachstellenmanagement ist heute meist nicht das technische Scanning selbst, sondern die verlässliche Nachweisführung. OT-Umgebungen dulden keine unreflektierten IT-Konzepte – sie fordern inhärent OT-gerechte Ansätze. Eine kombinierte, schrittweise Automatisierung ist dabei absolut realistisch und erreichbar. Doch die goldene Regel lautet: Organisation vor Automatisierung. Nur wer seine Prozesse und Verantwortlichkeiten im Griff hat, profitiert am Ende von den automatisierten Systemen.
Angebot
Wir bei Cudos begleiten Industrieunternehmen bei der sicheren Transformation an der Schnittstelle von IT und OT. Haben Sie Fragen zu SBOMs, CIS-Benchmarks oder dem automatisierten Schwachstellenmanagement in geschlossenen Netzen? Kontaktieren Sie uns für einen unverbindlichen Austausch.
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